FINESSE
BEI GATTI
Antonio
Gatti? Den Namen hat wohl jeder schon einmal gehört, der sich in Köln
für Gastronomie interessiert. In den Siebzigern kochte Gatti in einem
verwunschenen Bauernhaus in Dabringhausen, später im "Fachwerkhaus"
in Bensberg. In Kalk betrieb er "Gatti´s Nudelhaus", und
seit 1992 ist er in Köln-Merheim zu finden: "Ristorante Gatti
im Hotel Engelshof" heißt die korrekte Adresse, und das Haus
ist ein Bauernhof aus dem Jahre 1820, heute mitten in einem Wohnviertel
gelegen und, wie manche gute Gastronomieadresse, schwer zu finden.
"Die
Gäste können uns gut leiden" sagt der sympathische Mailänder,
der nicht nur in Köln schon viele Stationen hinter sich gebracht hat:
St. Moritz, Sils-Maria, Baden-Baden waren seine Stationen, bevor er,
seiner Brüder wegen, nach Köln kam. Anfang 1992 eröffnete er den "Engelshof",
nicht nur Restaurant, sondern auch Hotel mit 6 Zimmern, das seine
Frau Brigitte führt. Das schöne Anwesen betrachtet er quasi als Endstation:
"Wenn hier ich einmal aufhöre, will ich nicht mehr arbeiten."
Einstweilen
arbeitet er aber noch nach Kräften, denn das Hotel ebenso wie das
Restaurant sind gut nachgefragt. Es sind zumeist Stammgäste, die den
verwinkelten Weg in die Gütersloher Straße kennen und sich nach italienischer
Manier lieber auf die mündlichen Empfehlungen des Padrone statt auf
die geschriebene Karte verlassen.
Dann
kommen beispielsweise ein wohlschmeckender gebeizter Lachs und erstklassige
Imperial-Austern auf den Tisch, eine großartige Fischsuppe auf ligurische
Art mit Basilikum und frischen Fischen, fein abgeschmeckt. Gutes Kalbsbries,
in viel Butter gebraten und mit knusprig gebackenen, hauchdünn gehobelten
Steinpilzscheibchen belegt, mit einem gewaltigen Berg schwarzer Nudeln
dazu.
Der
Jahreszeit gemäß als Hauptgericht eine große Wildplatte mit würzigem
Hasenrücken, zarten Rebhühnern und herzhaftem Hirschrücken, am Tisch
tranchiert und vorgelegt. Dazu gibt es Sauerkraut zum Rebhuhn, Rotkohl
zum Hasenfilet, Pilze zum Hirschrücken. Und natürlich die Verwöhn-Desserts,
ohne die für die meisten Gäste ein Menü keinen Abschluß hat.
Dies
ist alles für verhältnismäßig wenig Geld zu haben - 20 DM für eine
Vorspeise und 40 DM für ein Hauptgericht. 85 DM kostet das große Sechs-Gänge
Menü. Die Weinkarte ist geprägt von großer Kennerschaft: Namen wie
Livio Felluga, Bruno Giaccosa, Cà Ronesca, Lungarotti, Chiarlo, Castello
die Volpaia und Altesino stehen darauf - und anstädigerweise gibt
es fünferlei Sorten im Offen-Ausschank, die Karaffe für 15 DM.